04.09.2009, 13:51 Bierhoff contra Allofs

(SID) Die Kritik von Bremens Geschäftsführer Klaus Allofs wegen der Ausbootung von Torwart Tim Wiese stieß Oliver Bierhoff bitter auf, die seichten Worte von Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler nach der Nichtnominierung von Angreifer Stefan Kießling gingen dem Manager der deutschen Nationalmannschaft dagegen runter wie Öl.

"Man darf bei dem Thema nicht alle Vereine in einen Topf schmeißen. Es war sehr positiv, wie gelassen Leverkusen reagiert hat. Rudi Völler hat absolut Verständnis gezeigt", sagte Bierhoff, nachdem die Kader-Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw für die Spiele gegen Südafrika am Samstag in Leverkusen (20.45 Uhr/live im ZDF) und vier Tage später gegen Aserbaidschan in Hannover (20.45 Uhr/live im ZDF) tagelang für reichlich Gesprächsstoff gesorgt hatte.

Völler und auch Kießling hielten sich brav an die von der sportlichen Führung der Nationalmannschaft ausgegebene Devise, dass Kritik an Entscheidungen von Bundestrainer Löw nur intern zu äußern seien. Wer öffentlich debattiert und den Verhaltenskodex nicht respektiert, hat mit Blick auf eine Teilnahme an der WM 2010 in Südafrika dagegen schlechte Karten. Dass im Gegensatz zu den Bayer-Verantwortlichen Bremens Sportchef Allofs die Vorgehensweise der sportlichen Leitung im Zuge der Absage an Wiese öffentlich negativ bewertete, dürfte den Werder-Keeper im Rennen um die Nummer eins im deutschen Tor kaum geholfen haben.

Frust der Bremer berechtigt

Dabei war der Frust der Bremer über die Art und Weise, wie Wiese von der Nichtnominierung erfahren hatte, offenbar berechtigt. So soll die Absage für die Spiele gegen Südafrika und Aserbaidschan erst in der Nacht vor dem Europa-League-Rückspiel von Werder beim kasachischen Klub FC Aktobe bei Wiese eingegangen sein, da es vor Ort bereits drei Stunden später als in Deutschland war. Zudem hatte Löw dem Werder-Schlussmann wenige Tage zuvor eine Einsatzgarantie für das Spiel gegen Südafrika in Aussicht gestellt. Daraufhin griff Allofs zum Telefonhörer und ließ bei Bierhoff ordentlich Dampf ab.

Bierhoff erinnert an Schicksal der Opel-Arbeiter

Doch der Konter von Bierhoff folgte prompt. Der EM-Held von 1996 empfahl Wiese und dessen Gefolge einen Blick über den Tellerand - zu Opel. "Alle wollen den Konkurrenzkampf, doch dann wollen die Vereine nicht, dass wir Nichtnominierungen vor einem Spiel bekanntgeben. Das wäre in anderen Sportarten nie ein Thema. So viel Druck muss ein Spieler, der Hochleistungssportler ist, aushalten. Richtiger Druck ist ohnehin etwas anderes. Man muss nur an die Situation bei Opel denken, wo es um Existenzen geht und die Arbeiter seit Monaten nicht wissen, wie es weitergeht", meinte Bierhoff.

Grundsätzlich schrieb Bierhoff den Bundesliga-Klubs zum Thema Nominierungen ins Stammbuch: "Ich denke, Nominierungen für die Nationalmannschaft wecken immer Emotionen bei den Spielern, die nicht nominiert sind. Aber der größer werdende Konkurrenzkampf bereichert auch die Vereine, weil die Spieler sich in ihren Klubs noch mehr anstrengen, um in die Nationalmannschaft zu kommen", sagte Bierhoff.

Rückendeckung erhielt die sportliche Führung beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) erwartungsgemäß von den Akteuren, die für die beiden Partien ausgewählt wurden. Unter anderem ergriff Angreifer Mario Gomez deutlich Partei für die Entscheidungen von Bundestrainer Löw: "Ich verstehe nicht, was die Diskussion soll. Denn der Bundestrainer muss am Ende den Kopf hinhalten, da wäre er schlecht beraten, Spieler zu nominieren, die nicht gut genug sind. Es kann nur in seinem Sinne sein, die besten Spieler zu nominieren."

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