22.09.2009, 16:15 Adler gegen Russland und Finnland gesetzt

(SID) Bundestrainer Joachim Löw schenkt Torwart Rene Adler sein Vertrauen und macht den Leverkusener nach dem Verzicht auf den erkrankten Hannoveraner Robert Enke zur Nummer eins in den entscheidenden WM-Qualifikationsspielen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Russland (10. Oktober) und Finnland (14. Oktober).

"Rene Adler wird in den Spielen gegen Russland und Finnland, sofern nichts dazwischenkommt, im Tor stehen. Er hat in den beiden letzten Spielen überzeugt", sagte Löw im SID-Interview. Eine Vorentscheidung über den Stammtorhüter im Falle einer WM-Teilnahme 2010 in Südafrika sei aber nicht gefallen: "Warum sollten wir auch jetzt entscheiden, wenn die WM 2010 erst im Juni losgeht? Wir werden den Kader im Mai nominieren, natürlich etwas früher wird schon eine Entscheidung bei den Torhütern fallen."

Enke kann Entscheidung nachvollziehen

Am Montag hatte Löw den Verzicht auf den an einer bakteriellen Infektion erkrankten Enke bekannt gegeben, der bis zu den WM-Ausscheidungsspielen nicht mehr genügend Spielpraxis sammeln kann. "Das war eine Entscheidung von uns beiden. Es war klar, dass er die nächsten zwei bis drei Wochen im Training nicht komplett belastet werden kann, weil er noch Antibiotika nehmen muss. Somit war klar, dass Robert bei den Spielen nicht auf seinem Top-Niveau sein würde", äußerte der 49 Jahre alte Chefcoach des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Für Enke kam die Entscheidung des Bundestrainers nicht überraschend: "Natürlich klatsche ich nicht vor Freude in die Hände, aber ich kann die Entscheidung voll und ganz nachvollziehen, vor dem Hintergrund, dass ich noch mindestens zwei Wochen kein reelles Training absolvieren werde. Jetzt hoffe ich, die Länderspielpause für eine Art "kleine Vorbereitung" nutzen zu können, um anschließend wieder für meinen Verein Hannover 96 aufzulaufen."

Zusagen für Enke für einen Länderspieleinsatz noch in diesem Jahr hat es laut Löw nicht gegeben: "Nein, so etwas ist nicht besprochen worden. Da haben wir uns nicht festgelegt, denn eigentlich war geplant, dass Wiese und Neuer nochmals in diesem Jahr spielen sollten. Das Ganze zeigt jedoch, dass wir auf alle Eventualitäten vorbereitet sein müssen. Es ist nicht das erste Mal, auch bei den Feldspieler mussten wir schon kurzfristig umdenken. Es ist größte Flexibilität vonnöten."

Bereits vor Jahresfrist im Vorfeld des 2:1-Erfolgs des Vize-Europameisters in Dortmund gegen Russland war Enke aufgrund eines Kahnbeinbruchs ausgefallen. Dafür war damals Adler eingesprungen. Löw legte sich bereits fest, welches Torhüter-Trio er am nächsten Doppel-Spieltag gegen Russland und Finnland berufen werde: "Es werden nach jetzigem Stand Rene Adler, Manuel und Tim Wiese nominiert."

Keine größeren Probleme erwartet der Bundestrainer beim Spiel in Moskau wegen des ungewohnten Kunstrasens. Zuvor wird der Vize-Europameister nämlich in Mainz auf vergleichbarem Kunstrasen trainieren: "Es ist schon eine Umstellung nötig, keine Frage. Wir müssen die zwei bis drei Tage nutzen, um uns möglichst optimal auf die Gegebenheiten einzustellen. Aber unsere Spieler sind professionell genug, um damit umgehen zu können."

Vogts: "Kunstrasen keine Entschuldigung"

Aserbaidschans Trainer Berti Vogts hatte davon gesprochen, dass der Kunstrasen keine Entschuldigung für Deutschland sei dürfe. Löw: "Es gibt keine Entschuldigung für uns. Wir thematisieren das auch nicht weiter. Wir müssen uns an die Gegebenheiten anpassen und versuchen, das Beste daraus zu machen."

Kritik übte der Coach an der Terminplanung des Weltverbandes FIFA, der die U20-WM in Ägypten (25. September bis 16. Oktober) während der Saison terminiert hatte: "Entscheidend ist, dass die Ansetzung durch die FIFA während der Saison für eine solche Weltmeisterschaft nicht in Ordnung ist. Das ist nicht nachvollziehbar. Man kann die Haltung der Klubs verstehen, dass sie nicht wochenlang auf Spieler verzichten wollen und sie diese deshalb für die WM nicht abstellen. Auch für die Spieler ist es ein zwiespältiges Gefühl, denn einerseits wollen sie natürlich gerne eine solche WM bestreiten, andererseits laufen sie Gefahr, vielleicht ihren Stammplatz im Verein zu verlieren."

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